Heutzutage ist es keine Pflicht mehr, einen Anzug zu tragen. Das gibt uns die Möglichkeit, von der früher undbedingt vorhandenen formellen Notwendigkeit weg den Blick hin zu den angenehmen Seiten des Anzugtragens zu wenden. Man trägt heute einen Anzug, weil man das möchte, nicht weil man das muss (von beruflichen Zwängen einmal abgesehen, aber auch hier wird es zunehmend lockerer).
Der Herrenanzug: elegant, sportlich oder leger
Beginnen wir mit einer Definition:
Der Anzug ist ein Gewand, bei dem Hose und Jacke aus dem selben Stoff geschneidert sind. (Bernhard Roetzel)
Das sagt technisch gesehen aus, wie man sich einen Anzug vorzustellen hat. Aber das ist beileibe nicht alles.
Der Herrenanzug ist die eleganteste Kleidung, die ein Mann tragen kann, wenn man von außergewöhnlichen Anlässen wie z. B. einer Ballnacht absieht. Je nach Anlass, Umgebung und persönlichem Geschmack kann man einen Herrenanzug förmlich aber auch sportlicher bzw. legerer tragen. So kann auf die Krawatte verzichtet und das Hemd offen getragen werden. Oder er wird mit einem schlichten T-Shirt kombiniert. Sogar mit einem Rollkragenpullover kann ein Anzug hervorragend getragen werden. Es muss also nicht immer gleich der Sonntagsstaat zusammengestellt werden, wenn man seine Jacke und Hose aus dem Schrank holt.
Die Qualität beim Anzug muss stimmen!
Mit einem guten Anzug kann man also nicht leicht etwas falsch machen, denn man wird immer korrekt gekleidet sein, wenn man nicht bei Mustern und Farben total danebengreift. Allerdings versteht sich von selbst, dass die Qualität bei Schnitt, Verarbeitung und Material stimmen muss.
Was also muss ein Anzug erfüllen, um berechtigterweise als gut bezeichnet werden zu können?
Nun, erst einmal muss der Anzug gut geschnitten sein. Er sollte nicht wie ein Sack an seinem Träger hängen, sondern ihm helfen, eine bella figura zu machen. Kleider Exkurs nach Italien:
Era una zanzara in abito da sera,
se l’era messo per far bella figura
e se ne volava intorno a una culla
una culla bella con un fiocco rosa(Es war eine Mücke im Abendkleid,
sie hatte es angezogen, um guten Eindruck zu machen
und sie flog beständig um eine Wiege herum,
eine hübsche Wiege mit einer rosa Schleife)
Ein guter Herrenanzug erzeugt ein gutes Gefühl
Auszusehen wie Inspektor Columbo ist also nicht unser Ziel. Der Schnitt muss zum Körper des Mannes, der ihn trägt passen.
Dann die Verarbeitung: Es hilft nichts, wenn der Schnitt und der Stoff sehr gut ausgewählt wurden, wenn alles krumm und schief zusammengenäht ist. Muster müssen an den Nähten bestmöglich fortgesetzt werden. Nähte müssen sauber gearbeitet sein, Knöpfe müssen an den richtigen Stellen sitzen usw.
Der verwendete Stoff ist der dritte Baustein für einen guten Anzug. Er sollte angenehm im Griff sein, weich und elegant fallen, möglichst auch nicht gleich wie verrückt knittern und auf der Haut ein gutes Gefühl erzeugen. Mit Polyester dürfte das schwierig sein – reine Schurwolle ist hier meist das beste Mittel der Wahl.
Für welche Muster und Farben man sich entscheidet, ist Ausdruck des persönlichen Geschmacks. Hier ist der eine eher zurückhaltend, der andere eher extrovertiert veranlagt.
Alles in allem ist, wie bei so vielen Dingen, auch bei Anzügen wichtig, dass man – aufbauend auf guter Qualität, die nicht disponibel ist – seine Wahl mit Sorgfalt und Lust an der Schönheit trifft. Dann wird man einen Anzug finden, der als angenehmer Begleiter durch den Tag das Leben ein kleines Bisschen schöner macht.
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